Einander begegnen, sich austauschen und gegenseitig unterstützen, sich gemeinsam für optimale Versorgung und Teilhabe engagieren – all das gehört zur Schwerhörigen-Selbsthilfe, deren Beginn sich 2026 zum 125. Male jährt.
Der Beginn der Schwerhörigenbewegung in Deutschland war ein Gottesdienst: Zu diesem trafen sich am 26. Mai 1901 zwölf Teilnehmerinnen und Teilnehmer sowie ein Pastor in der Wohnung Margarethe von Witzlebens (1853-1917) in der Tieckstraße 17 in Berlin. Drei Jahre später zählten bereits 157 Personen zum Witzleben-Kreis. Auf Initiative Margarethe von Witzlebens kamen erstmals schwerhörige und ertaubte Menschen zusammen, um die eigene, schwierige Lebenssituation selbsttätig zu verbessern – durch Teilhabe am Gottesdienst und den damit verbundenen seelischen Beistand sowie durch vielfältige gegenseitige Unterstützung im Alltag. In den Folgejahren entstanden in zahlreichen weiteren deutschen Städten örtliche Strukturen der Selbsthilfe sowie ein erster bundesweiter Verband.
Bild: 125 Jahre Schwerhörigenbewegung in Deutschland – bei den Gottesdiensten, die Margarethe von Witzleben ab 1901 initiierte, kamen erstmals schwerhörige und ertaubte Menschen zusammen, um die eigene Lebenssituation selbsttätig zu verbessern (Foto: Witzlebenstiftung)
Seit diesen Anfangsjahren hat sich viel verändert. Kaiserzeit und Weimarer Republik, Nationalsozialismus und 2. Weltkrieg, deutsche Teilung und Wiedervereinigung… – Höhen und Tiefpunkte deutscher Geschichte veränderten und prägten das Leben schwerhöriger Menschen und ebenso ihre Bewegung, die auch ein Spiegelbild dieser Geschichte ist. Einschneidende Veränderungen gab es zudem durch Entwicklungen in Hörtechnik, Medizin, Therapie und Pädagogik, durch die Etablierung von Hörgeräten und Hörimplantaten und durch die Anerkennung der lange unterdrückten Gebärdensprache.
Mit dem Deutschen Schwerhörigenbund e. V. (DSB), der sich 1949 in der Tradition Margarethe von Witzlebens gründete, sowie mit der 1987 gegründeten Deutschen Cochlea-Implantat Gesellschaft e.V. (DCIG) entstanden zwei wirkmächtige Bundesverbände, die sich vielfältig für die Belange ihrer schwerhörigen Mitglieder engagieren, und denen zahlreiche regionale und lokale Strukturen der Selbsthilfe angehören. Für die kommenden Jahre planen die beiden Bundesverbände DSB und DCIG ihre Fusion in einem gemeinsamen, starken Bundesverband, dem Deutschen Hörverband (DHV), dem sich zudem möglichst alle Regional- und Landesverbände sowie alle weiteren Strukturen von DSB und DCIG anschließen sollen. Aktuell sind neben den Bundesverbänden von DSB und DCIG 15 Regional- und Landesverbände Mitglied im DHV.
Dr. Harald Seidler: „Lasst uns das Jubiläumsjahr nutzen, um die wichtigen Anliegen schwerhöriger Menschen einmal mehr in die Öffentlichkeit zu tragen.“
Das diesjährige Jubiläum soll zugleich wichtige Impulse für die zukünftige Selbsthilfe schwerhöriger Menschen geben, ihrer Lebenswirklichkeit und ihren Anliegen mehr denn je zu Sichtbarkeit verhelfen. Ein Veranstaltungshöhepunkt wird ein Aktionstag sein, der am 3. März, dem Welttag des Hörens, in Berlin stattfindet. Weiteres Highlight ist eine Aktionswoche mit Selbsthilfetag, die vom 17. bis 20. September ebenfalls in Berlin stattfindet. Darüber hinaus laden DHV, DSB und DCIG alle Aktiven der Selbsthilfe ein, das Jubiläum mit lokalen und regionalen Aktionen zu begehen. Ob Info-Stände oder Vortragsveranstaltungen, kleine Ausstellungen und Workshops, Podiumsgespräche oder Erzählnachmittage mit Schulklassen – es gibt vielfältige Möglichkeiten, um das Jubiläum mit Leben zu füllen und es zugleich für Aufklärung und Dialog zu nutzen.
Quelle: PM Martin Schaarschmidt
