Cover der acatech Position zur Individualisierten Medizintechnik acatechIndividualisierte Medizin braucht innovative Medizintechnik
Maßgeschneiderte, optimal verträgliche Implantate, Big Data für verbesserte Diagnosen und Therapien: Medizintechnik ermöglicht eine individualisierte Medizin, die sich konsequent am einzelnen Patienten orientiert. acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften beleuchtet in ihrer heute erschienenen Position „Individualisierte Medizin durch Medizintechnik“ das breite Anwendungsspektrum technischer Innovationen für die individualisierte Patientenversorgung und formuliert Handlungsempfehlungen an Politik, Wissenschaft und Wirtschaft. Die Akademie spricht sich dafür aus, medizintechnische Expertisen aus Forschung, Klinik und Industrie im Sinne der Translation zu bündeln. Die acatech Position „Individualisierte Medizin durch Medizintechnik“ gibt einen Überblick, was Medizintechnik in der individualisierten Medizin heute bereits ermöglicht und woran aktuell geforscht wird.
acatech Präsident Dieter Spath erklärt bei der Vorstellung der Publikation auf der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Biomedizinische Technik (DGBMT) in Dresden: „Jeder Mensch wird auch einmal Patient – und jeder Patient ist anders. Patienten wollen deshalb als Individuum im Mittelpunkt jeder medizinischen Behandlung stehen. Zugleich sollte jede medizinische Behandlung evidenzbasiert, also in ausreichenden Fallzahlen erprobt sein. Die individualisierte Medizin verbindet beide Prinzipien. Ihr Erfolg ist untrennbar mit der modernen Medizintechnik verbunden.“
Maßgeschneiderte Prothesen und Implantate
Die Individualisierung der Medizin ermöglicht maßgeschneiderte Prothesen oder Implantate. Thomas Lenarz erklärt: „Knieprothesen oder auch Cochlea-Implantate zur Wiederherstellung des Hörvermögens werden ähnlich wie Kleidungsstücke in einer überschaubaren Menge an Konfektionsgrößen angeboten. Diese Größen passen aber nicht jedem Menschen gleich gut. Das Ziel innovativer Forschungsansätze ist es, auf Basis präziser dreidimensionaler Bilddatensätze und mithilfe der 3D-Druck-Technologie für jede Patientin und jeden Patienten individuelle Prothesen und Implantate anzufertigen, die dann auch wirklich passen und darüber hinaus in der Lage sind, gezielt Wirkstoffe zur Entzündungshemmung oder Wundheilung freizusetzen. Mehr noch: Intelligente Prothesen werden sich immer individueller im Gebrauch an die Menschen anpassen, also beispielsweise unseren individuellen Bewegungsprofilen, unserer Herz-Kreislauf- und Stoffwechselfunktion oder Sinnesleistung.“ Für die bessere Verträglichkeit von Implantaten wollen Forscher laut Thomas Lenarz körpereigene Zellen einsetzen, die seltener vom Immunsystem abgestoßen werden. „Durch dieses Höchstmaß an Individualisierung werden Prothesen und Implantate deutlich besser sitzen und deutlich länger halten“, so der Projektleiter.
Quelle: acatech - Deutsche Akademie der Technikwissenschaften