Neues Messinstrument schützt Frühgeborene vor Gehirnschädigungen
Ermutigende Ergebnisse zum Abschluss des Forschungsprojekts »BabyLux«: Ein neues optisches Diagnosesystem, das innerhalb von nur drei Jahren gemeinsam von neun Partnern aus vier europäischen Ländern entwickelt wurde, ist in der Lage, den Sauerstoffgehalt im Blut frühgeborener Babys nicht-invasiv und sicher zu bestimmen. Wird das Gerät nach weiteren klinischen Tests für den medizinischen Einsatz zugelassen, können Neugeborene damit vor schweren Schäden durch eine Sauerstoffunter- oder -überversorgung des Gehirns bewahrt werden.

Blinder Fleck - BildVerblüffendes Forschungsergebnis
Fehlende Informationen werden im Gehirn vervollständigt – mit dem Ergebnis, dass uns die vervollständigte Wahrnehmung vertrauenswürdiger erscheint als die Wirklichkeit. Auf dieses verblüffende Resultat deuten Ergebnisse einer jetzt veröffentlichten Forschungsarbeit an der Universität Osnabrück hin: http://dx.doi.org/10.7554/eLife.21761 .

Dass unsere Wahrnehmung öfters mal nicht der Realität entspricht, weiß man schon länger, aber dass wir dies nicht nur unterbewusst hinnehmen sondern sie im Vergleich zu verlässlichen Informationen sogar bevorzugen – das war selbst für die Forscher der Studie überraschend, die sich dazu das Phänomen des Blinden Flecks im Auge zunutze gemacht haben.

Die neuronale Abstimmung im Gehör von Säugetieren, die niederfrequente Töne wahrnehmen, ist so genau und schnell, dass bei der Schallortung minimale zeitliche Unterschiede wahrgenommen werden. LMU-Forscher beschreiben nun eine strukturelle Besonderheit, die dabei eine entscheidende Rolle spielt.

Beim Hören leiten Nervenzellen akustische Information vom Innenohr zu den neuronalen Schaltkreisen im Gehirn. Dabei werden die von außen kommenden mechanischen Schwingungen in elektrische Impulse umgewandelt.

3,8 Mio. Euro für die Entwicklung neuer Forschungs- und Behandlungsmethoden

In Europa leiden rund 42 Millionen Menschen unter chronischem Tinnitus. Die störenden Ohrgeräusche führen bei vielen Betroffenen zu einer nachhaltigen Einschränkung ihrer Lebensqualität. Eine allgemein wirksame Behandlungsmethode für das sehr individuelle Krankheitsbild gibt es bisher nicht. Gleichzeitig wächst die Zahl der Betroffenen stetig, bis 2050 könnte sie sich bei gleichbleibender Entwicklung verdoppeln. Die Notwendigkeit, Tinnitus als Forschungsgegenstand voranzutreiben und interdisziplinär an neuen Konzepten und einer gemeinsamen Datenbasis zu arbeiten, ist groß.

CI Kopf Kandidat__90Ungefähr zu ihrem ersten Geburtstag sprechen Kinder das erste Wort. Viele alltägliche Wörter verstehen sie aber bereits ein halbes Jahr früher, wie die Forschung zur Sprachentwicklung belegt. In einer aktuellen Studie zeigen Entwicklungspsychologinnen der Universität Tübingen, dass Säuglinge bereits mit drei Monaten gesprochene Wörter in Silbenbetonung und Silbenlaute zerlegen. Scheinbar können sie diese verschiedenen Pfade der Verarbeitung gesprochener Sprache aber erst am Ende des ersten Lebensjahres zusammenführen. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift „Developmental Science“ veröffentlicht.

Jan-Oliver Wülfing Foto privatMit dem Schwerpunkt auf der Wiedergabe von Emotionen entwickelt Jan-Oliver Wülfing an der Universität Augsburg eine neue Kommunikationshilfe für Menschen mit Sprechbehinderung. Das BMAS fördert das Vorhaben im Rahmen des Programms "PROMI – Promovieren inklusive"

Augsburg/Bonn/MS/KPP – Mit einer melodisch flüssigen Sprechweise teilen wir in alltäglichen Situationen auch unbewusst unserem Gegenüber viel mit. Doch was für die meisten Menschen selbstverständlich ist, ist für andere schwierig oder gar unmöglich. Das weiß Jan-Oliver Wülfing nicht nur durch seine berufliche Tätigkeit, sondern auch durch seinen persönlichen Hintergrund. Aufgrund einer Infantilen Zerebralparese sind seine Sprechfähigkeit sowie seine Feinmotorik eingeschränkt. Am Institut für Informatik der Universität Augsburg entwickelt er nun – gefördert im Rahmen des BMAS-Projekts PROMI – eine neue computerunterstützte Kommunikationshilfe für Menschen mit Artikulationsstörungen.

Foto: TU IlmenauIm Forschungsprojekt „TWO!EARS“ haben Wissenschaftler in einem internationalen Konsortium ein Testsystem entwickelt, das wesentliche Aspekte des menschlichen Hörens nachahmt. Bei bisherigen Modellen des Hörens wurden vorwiegend die Schallsignale an den beiden Ohren ausgewertet.

Das im TWO!EARS-Projekt entwickelte System hingegen simuliert die viel komplexere auditive Wahrnehmung des Menschen, die ihrerseits mit dem gesamten Sinnesapparat verwoben ist. Dabei wertet es nicht nur akustische Signale aus, sondern zum Beispiel auch Informationen, die durch das Sehen oder durch Bewegung gewonnen werden, und auch bereits vorhandenes, angelerntes Wissen über die Welt. Das Testsystem wurde dabei in zwei Ausführungsarten umgesetzt: in Form einer virtuellen Umgebung und für den Einsatz in einem Roboter.

© RUB, Roberto SchirdewahnProf. Dr. Dorothea Kolossa und Mahdie Karbasi von der Arbeitsgruppe Kognitive Signalverarbeitung der Ruhr-Universität Bochum (RUB) haben eine Methode entwickelt, mit der sie die Sprachverständlichkeit in lauten Umgebungen vorhersagen können. Die Ergebnisse aus ihren Tests sind genauer als die einer bisher angewendeten Standardmethode. Sie können helfen, den Entwicklungsprozess für Hörgeräte zu vereinfachen. Die Forschungsarbeit war Teil des von der EU geförderten Projektes „Improved Communication through Applied Hearing Research“, das kurz „I can hear“ genannt wird.
Bild: Am Computer mussten die Probanden die Verständlichkeit von Wörtern bewerten. © RUB, Roberto Schirdewahn

Auf der Hannover Messe präsentiert die Medizinische Hochschule Hannover das Operationssystem RoboJig™ für Cochlea-Implantationen, das die MMH zusammen mit der HörSys GmbH und Partnern entwickelt haben.

So wird bei der Cochlea-Implantation ein dünner Kanal gebohrt und mit einem an der MHH entwickelten Insertionstool die Elektrode präzise in die Hörschnecke eingeführt. Eine Miniaturhalterung für die Bohrschablone (Engl. "Jig") verhindert ein Abweichen vom geplanten Bohrkanal.

Hannover Messe: 24. - 28. April 2017, täglich, 09.00 - 18.00 Uhr

Dr. Anna Warzybok forscht in der Abteilung Medizinische Physik und im Exzellenzcluster „Hearing4all“ der Universität Oldenburg. Foto: Universität Oldenburg - DFG fördert neues Oldenburger Forschungsprojekt
Hörgeschädigte verschiedener Länder testen, klinische Standards vereinheitlichen und damit eine international optimale Versorgung mit Hörhilfen befördern – das ist das Ziel der Oldenburger Physikerin und Hörforscherin Dr. Anna Warzybok. Die Postdoktorandin, die in der Abteilung Medizinische Physik der Fakultät VI Medizin und Gesundheitswissenschaften und im Exzellenzcluster „Hearing4all“ der Universität Oldenburg forscht, erhält dafür rund 500.000 Euro von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG).

Bild: Dr. Anna Warzybok forscht in der Abteilung Medizinische Physik und im Exzellenzcluster „Hearing4all“ der Universität Oldenburg. Foto: Universität Oldenburg

Histologischer Schnitt durch die Großhirnrinde.Triple-transgenes Mausmodell mit Martinotti-Zellen in ... Abbildung: staiger/witteNeue Erkenntnisse aus der Sinnesforschung im SFB 889: Forscherteam der UMG klärt weitere Details zur synaptischen Verschaltung der Großhirnrinde. Veröffentlicht in Nature Communications.

(umg) Was auch immer wir über Augen, Ohren, Nase oder Haut an Informationen sammeln, steht uns nur dann für Entscheidungsprozesse oder zielgerichtetes Verhalten zur Verfügung, wenn Sinnesreize von unserem Gehirn bewusst wahrgenommen und weiter verarbeitet werden können. Dafür müssen Sinnesreize vor allem wohl dosiert im Gehirn ankommen. Zu viel Erregung würde im Extremfall „Epilepsie“ bedeuten, zu viel Hemmung „Bewusstlosigkeit“, beides sind Zustände, die mit Sinneswahrnehmungen, Lernen und motiviertem Verhalten unvereinbar sind. Wie genau jedoch die zellulären Mechanismen funktionieren, die etwas mit der Herstellung einer wichtigen „Balance“ zwischen Erregung und Hemmung in der Weitergabe von Sinnesreizen zu tun haben, ist noch nicht abschließend verstanden.