Die CIV NRW News online

Die CIV NRW News ist die Verbandszeitschrift des Cochlea Implantat Verband NRW e.V. -
gemeinnütziger Selbshilfeverband in der DCIG e.V.

Erlernen der DGS - Bilder: Stein, BewerungeMeine 5-Tage-Begegnung mit der Deutschen Gebärdensprache - Ein Tagebuch
Schon sehr lange habe ich, Gudrun Bewerunge immer wieder den Wunsch gehabt, die Deutsche Gebärdensprache (DGS) etwas näher kennen zu lernen. Das fing schon während meines Aufbaustudiums zur Sonderpädagogin vor etwa 20 Jahren an. Es wurde wieder aufgeweckt, als ich meinen Mann Ronald Stein – damals Hörgeräteträger und jetzt einseitig mit CI versorgt - kennen lernte. Weiter motiviert wurde es durch die Aktivitäten der letzten Jahre in den einzelnen Selbsthilfe-Gruppen und die Arbeit für den CIV NRW e.V. und die CIV-NRW News sowie durch die Begegnungen mit vielen netten und offenherzigen Menschen mit unterschiedlichsten Hörschädigungen. An dieser Stelle möchte ich noch kurz ein Erlebnis schildern, das zwar schon vor gut 10 Jahren geschah, aber das mir noch sehr gut in Erinnerung geblieben ist und für mich ein Schlüsselerlebnis war. Ronald war in Bad Berleburg zur Reha. An einem Wochenende besuchte ich ihn. Viele Patienten trafen sich Freitagsabends im Aufenthaltsraum, um gemeinsam den Abend zu verbringen. In der Runde saßen auch welche, die nicht oder schlecht hören konnten und sich mit Gebärden unterhielten. Für mich war das irgendwie fremd und ich hatte Hemmungen, mich zu beteiligen. Wusste nicht WIE! Bis Peter Dieler, der damals als Berleburger Reha- Mitarbeiter auch dabei war, mich aufmunterte es einfach ohne Scheu mit Gesten zu versuchen. Ich würde schon verstanden werden. Nun ehrlich, so richtig ist mir das damals nicht gelungen. Und als das erste Mal das Kursangebot im Heft für das Wintersemester 17/18 las, habe ich mich direkt angemeldet. Leider konnte ich nicht teilnehmen, weil ich krank geworden bin. Nun erfolgte ein neuer Anlauf! Und meinen Mann habe ich auch infiziert. Wir werden uns demnächst nur noch in Gebärdensprache unterhalten – naja, wahrscheinlich doch nicht.
1.Tag
Der Kursus ist ein zertifizierter Intensivkurs und geht über 5 Tage jeweils von 9.00 bis ca. 15.00 Uhr. Am Montag, den 10.09.18 (ich könnte das jetzt auch schon gebärden) ging es los. Pünktlich saßen 9 erwartungsvolle Menschen (7 Frauen und 2 Männer) auf ihren Plätzen im Seminarraum und warteten auf die Leiterin, die durch einen Stau auf einer der Autobahnen von Düsseldorf nach Menden hängen geblieben war. Wir nutzten die Zeit, um uns schon mal etwas zu beschnuppern. Die Teilnehmer hatten sich entweder aus beruflichen Gründen (Fortbildungen) oder aus eher privaten Gründen auf den teilweise sehr weiten Weg vom Hochsauerland, Ostwestfalen und sogar aus der Nähe von Frankfurt nach Menden gemacht. Etwas abseits saß noch eine weitere junge Frau, wie sich herausstellte eine Gebärdendolmetscherin.
Dann „stürmte“ Frau Kawai Severin herein, unsere Dozentin, die uns in den nächsten 5 Tagen den Start in die DGS vermitteln wird. Sie ist eine temperamentvolle, sehr nette, aufgeschlossene und verständnisvolle Person. Sie ist von Geburt an fast taub, trägt auf einer Seite ein Hörgerät, womit sie anscheinend etwas hören kann. Zu Anfang ging es erst einmal um einige Regelungen im Ablauf der Woche und allgemeine Erläuterungen über den Umgang mit Gehörgeschädigten und Tauben, sowie zu der Gebärdensprache. Diese ist übrigens eine eigene Sprache mit eigener Grammatik und muss, wie jede andere Fremdsprache gelernt werden. Die Dolmetscherin übersetzt jedes Mal. Sie war allerdings nur anfangs eine Stunde anwesend.
Dann wurden wir „ins Wasser“ geschmissen. Jeder Teilnehmer hatte eine Mappe mit Papier, Kuli und ein Arbeitsheft von insgesamt 26 Seiten vor sich. Ganz schön viel! Auf der 1. Seite hieß es als Einführung: „Strategien, um die Deutsche Gebärdensprache (DGS) zu lernen. Eigenen Sie sich folgende Gewohnheiten an.“ Ich versuche an dieser Stelle, das Wichtigste zusammen zu fassen.
- Beobachten von Gebärden-Konversation
- Halten von Augenkontakt
- Mit Mimik das Gebärden des gegenüber begleiten
- Nicht „wörtlich verstehen“ und mitlesen sondern das Wesentliche verstehen
- Aktive Teilnahme am Kurs und die Lautsprache minimieren.
BildausgabeVor der Pause um 10.30 Uhr ging es zum Fingeralphabet. Oh je meine „alten Finger“, was sind die eingerostet. Mancher Buchstabe ist schon schwer hinzubekommen und manche ähneln sich auch sehr. Aber es macht mir Spaß! Und denen in der Gruppe noch mehr! Nach der 15 Minutenpause wurden wir von Kawai - wir nennen uns alle beim Vornamen, wie es in dieser Sprache üblich ist – nochmals herzlichst begrüßt und gefragt, wie es uns denn gehe. Alles natürlich in der DGS. Und wir haben dann versucht mit Gebärden oder auch durch Buchstabieren zu antworten. Im Anschluss wiederholte sie mehrmals eine Gebärde (sah aus als würde sie die Haare zurück streichen). Diese hat sie auch anfangs gemacht, aber ich verstand sie nicht. Es war ihr Name in der Gebärdensprache. Einfachhalber sucht sich jeder eine typische Gebärde aus. So braucht man die Namen nicht immer zu buchstabieren. Übrigens gibt es z.B. auch typische Gebärden für Ortschaften. Wir dachten uns Gebärden aus. So war Ronald z.B. der „Über seinen Bart Streichen“ und ich war die „Brillengläserdarstellerin“.
Anschließend arbeiteten wir weiter in unserem Heft. Im Wechsel zwischen Vorstellen, Erklären und Vormachen der entsprechenden Gebärden sowie Nachahmen und den jeweils notwendigen Übungsphasen verging die Zeit sehr schnell. Wir beschäftigten uns mit sprachlichem Einsatz von ADJEKTIVEN / MIMIK, mit „Gefühlen und Emotionen“. Hier muss ich noch einen weiteren Hinweis geben: in der Gebärdensprache werden alle Buchstaben groß geschrieben. Und wir beschäftigten uns mit PRONOMEN und auch noch mit NOMEN sowie NOMEN + ADJEKTIVE.
Es war ein anstrengender, sehr interessanter und irgendwie fröhlicher Tag. Aber als ich nach Hause kam, war ich echt geschafft! Ronald und teilweise den anderen der Gruppe ging es nicht wesentlich anders.
2.Tag
Da Kawai verhindert war, wurden wir von Lothar unterrichtet, einen ebenso tauben Dozenten aus Köln. Er gebärdete teilweise etwas anders, in der Lautsprache würde man andere Betonung / Aussprache sagen. Auch heute waren alle Teilnehmer anwesend. Ich war ziemlich müde, weil wohl der Montag noch nachwirkte und ich unruhig geschlafen hatte. Aber nach der etwas längeren Anlaufzeit war ich wieder voll da.
Zu Anfang erfolgte eine ausführliche Wiederholung. Dann wurden wir nach unserem Namen (Vornamen), unserem Gebärdennamen und unserem Wohnort gefragt und wir mussten jeweils antworten. War recht schwierig und wir mussten häufig lachen, weil die Namen ja noch buchstabiert werden mussten und das Gebärdenalphabet sicherlich noch nicht komplett gelernt war! Anschließend bearbeiteten wir immer im Methodenwechsel folgende Bereiche: BEGRÜSSEN & VERABSCHIEDEN (Teile I – III) sowie KOMMUNIKATION (1. Teil). Durch die unterschiedlichen methodischen Maßnahmen wurden die besprochenen Vokabeln geübt. Z.B. mussten wir untereinander Dialoge führen, d.h. kleine Sätze oder Fragen und Antworten bilden. Hierbei war sehr hilfreich, dass sich immer wieder neue kleine Gruppen bildeten. Der Übungseffekt war auf diese Weise größer und wir lernten uns besser kennen. Dieses wiederum tat dem Gruppenzusammenhalt gut. Ein Spiel beendete den Unterrichtstag. Für meinen Teil muss ich sagen, dass ich es sehr interessant aber noch anstrengender empfunden habe. Bis gegen Abend war mit mir nichts mehr „anzufangen“.
3. Tag
Am 3. Tag hatte sich offensichtlich mein Körper und Geist auf die fordernden Tage eingestellt. Meine „eingerosteten“ Finger schienen auch wieder „freier“ zu sein und viele Gebärden fielen mir leichter. Wir spürten, dass die Gruppe mehr zusammengewachsen war und wir fleißig und eifrig aber auch immer wieder herzlich lachend den Tag absolvierten.
Wie den Tag davor war von Kawai eine ausführliche Wiederholung eingeplant. Wiederholungen und Übungsphasen sind für das Lernen und Behalten sehr wichtig und deshalb auch natürlich häufig an allen Tagen eingebaut. Heute ging es um die KOMMINIKATION (2. Teil), ZAHLEN 1-100, GRAMMATIK: W-FRAGEN, WOCHENTAGE sowie ZEITANGABEN.
Weil mich die Gebärdensprache und der Kursus so begeisterten, entstand die Idee von diesem Bericht. Darum berichteten ich und Ronald an diesem Tag kurz vom Cochlea Implantat Verband NRW, den Selbsthilfe-Gruppen sowie unseren Aktivitäten bei der Verbandszeitschrift CIV NRW News. Alle gaben die Erlaubnis über sie zu Schreiben und Fotos zu verwenden, die dann sofort geschossen worden.
Alle möchten gerne ein Exemplar haben, was ich natürlich versprach.

Bildausgabe4. und 5. Tag
Diese Tage verliefen ähnlich wie die ersten. Wir arbeiten mit Interesse und Eifer sowie Spaß weiter in unserem Heft und bekamen auch viele, viele Zusatzinformationen. Es klappte bei allen immer besser! Folgende Bereiche schlossen sich an: GRAMMATIK: ZEITANGABEN & WORTSTELLUNGEN IM SATZ, MONATE, JAHRESZEITEN UND KALENDER.
Auf der „Zielgeraden“ ging es um FARBE, FARBMUSTER sowie NOMEN + FARBEN.
Nun war die Zeit gekommen, uns zu verabschieden. Vorher allerdings haben wir uns herzlich bei Kawai bedankt und Ronald hat für uns alle ein kleines Dankesgeschenk mit einigen Dankessätzen überreicht. Natürlich alles in der deutschen Gebärdensprache.
Es war eine tolle Woche! Wahnsinnig viele Eindrücke und Neues haben wir mit nach Hause genommen. Wir werden in Kontakt bleiben, ist ja dank der modernen Technik kein Problem. Auch haben wir uns vorgenommen, den 2. Kurs, der evtl. im Frühjahr stattfindet zu besuchen.
Gudrun Bewerunge für CIV NRW News

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