Die Freude auf den Vatertag wurde mir am Morgen davor gründlich verdorben. Als Naschkater genehmigte ich mir am Vormittag ganz leckere Kaubonbons. Damit war aber eine Zahnkrone überhaupt nicht einverstanden. Sie übergab sich in meine Mundhöhle. Dank meiner Frau erhielt ich aber noch am Mittag einen Termin bei unserem Zahnarzt in Essen.
Als der Zahnarzt mich in seinem Behandlungsstuhl sah und seine Werkzeuge auf mich richtete, fielen ihm meine beiden CIs auf. Zu meiner Freude begann er nicht mit seiner Behandlung, sondern befragte mich nach meinen Erfahrungen mit Hörgeräten und CIs.
In seine Praxis kommen viele schwerhörige Patienten, zum Teil auch ertaubte und gehörlose Menschen. Das hat ihn veranlasst, über die Kommunikation mit ihnen nachzudenken. Er ließ zwei Mitarbeiterinnen in der Gebärdensprache ausbilden. Zusätzlich installierte er am Empfang eine induktive Höranlage, die es hörgeschädigten Patienten ermöglicht, bereits dort mit den Mitarbeitern problemlos per T-Spule im Hörgerät oder CI zu kommunizieren.
Heute durfte ich mit dem Arzt gemeinsam seine neue Installation unter echten CI-Bedingungen testen. An welchen Stellen des Empfangsbereiches funktioniert die Anlage störungsfrei, wie weit reicht sie? Das war schon sehr interessant, da ja weder der hörenden Arzt, noch die Praxis-Mitarbeiter die neue Anlage selber ohne weiteres testen können.
Übrigens, der Test und meine Zahnbehandlung verlief sehr zufriedenstellend.
Mich beunruhigt allerdings sehr, dass offensichtlich die meisten Arztpraxen aller medizinischen Richtungen nicht oder nicht ausreichend auf die Bedürfnisse hörgeschädigter Patienten bereits im Empfangsbereich ihrer Praxen eingehen.
Wenn Sie selbst von diesen Barriere-Hindernissen betroffen sein sollten, nehmen wir sehr gern Ihre Anregungen auf.
Sie helfen uns damit, unsere gemeinsamen Interessen zur Barrierefreiheit im Bereich der Hörbehinderung den zuständigen Gremien mitzuteilen.
HJT