Foto: Cochlear Inc.Hörregion Hannover erlebt Uraufführung von „Die getanzte Schulstunde“

Ein Tanz-Projekt besonderer Art erlebte aktuell im Ballhof Eins seine gefeierte Uraufführung:
das Stück mit dem Titel „Die getanzte Schulstunde“ hatten Jungen und Mädchen der Hartwig-Claußen-Schule (HCS), das einzige Förderzentrum mit dem Schwerpunkt Hören der Region Hannover, in ihrer Tanz AG einstudiert.
Der Profitänzer Ole Driever hatte Choreographie und Leitung des mehrmonatigen Tanz-Projektes übernommen. Ole Driever wirkt an Produktionen des Essener Aalto-Theaters und der Leipziger Oper mit. Der Ballett-Tänzer ist selbst hochgradig hörgeschädigt und hört mit einem Cochlea-Implantat (CI).


Das Tanz-Projekt wurde im Rahmen der Aktivitäten zur Hörregion Hannover von der Firma Cochlear, dem Staatstheater Hannover und der Hörregion unterstützt.

 

Büsra erzählt: „Wenn ich tanze, dann bin ich in meiner eigenen Welt.“, „Tanzen macht Spaß“, meint Ilyas. „Tanzen ist meine Leidenschaft“, sagt Zana-Aylin.
Was Tanzen für die hörgeschädigten Schülerinnen und Schüler der Hartwig-Claußen-Schule bedeutet, erfuhren die Zuschauer am Wochenende im ausverkauften Saal des Ballhof Eins in einem eingangs gezeigten Dokumentarfilm, der während der mehrmonatigen Arbeit am Tanztheaterstück „Die getanzte Schulstunde“ entstand.
Der Ballett-Tänzer Ole Driever wurde Choreographie des Stückes von der Förderschullehrerin Christina Kattenberg unterstützt. Driever, der als Tänzer an den Bühnen der großen Theater in Frankfurt, Leipzig, Bern, Essen oder Luzern zu Hause ist, lebt selbst seit frühester Kindheit mit einem hochgradigen Hörverlust. Neben seinen Engagements als Tänzer absolviert er derzeit ein Pädagogik-Studium an der Deutschen Sporthochschule Köln. Das Tanz-Projekt entstand anlässlich eines Schulpraktikums, dass der Profi-Tänze in Hannovers Förderzentrum mit Schwerpunkt Hören absolvierte.
„Tanzen hat mir in meinem Leben unglaublich viel gegeben“, so Ole Driever über seine Motivation zur Projekt-Arbeit. „Ich habe mich besser konzentrieren können, hatte ein Ziel vor Augen, habe mehr soziale Anbindung bekommen. Diese positive Erfahrung möchte ich auch den Schülern vermitteln. Wenn man sich für eine Sache begeistert – sei es der Tanz oder auch etwas anderes, kann das unheimlich bereichernd sein. Gerade Heranwachsenden geben solche Erfahrungen wichtige Orientierung und Halt.“
Die Aufführung im ausverkauften Ballhof Eins war ein Erlebnis für große und kleine Zuschauer.
Mit wie viel Begeisterung die jungen Tänzerinnen und Tänzer der Hartwig- Claußen-Schule bei der Sache waren, das konnten große und kleine Zuschauer bei der Aufführung am Wochenende live erleben. – "Unsere Schülerinnen und Schüler haben heute Abend die Gelegenheit gehabt, ihre außerordentlichen Fähigkeiten einer breiten Öffentlichkeit zu präsentieren. Darauf dürfen sie zu Recht stolz sein", so Schulleiter Joachim Budke nach der Aufführung.
Inhaltlich baute das Tanztheaterstück auf den unmittelbaren Schulerfahrungen der Akteure, auf Stimmungen und Eindrücken aus dem Schulalltag auf. Die Bühne im großen Saal des Ballhofs verwandelte sich in einen imaginären Klassenraum. Die Schüler, anfangs an Schulbänken sitzend, schienen ihrem Lernalltag bald darauf tanzend zu entschweben. In teils mitreißend-dynamischen, teils verträumt-melancholischen Szenen verbanden sich Elemente aus klassischem Ballett und modernem Tanz; zugleich hatten die jungen Tänzer Raum zur Improvisation. Anleihen aus Standardtanz, Jazzdance oder Hiphop waren ebenso zu finden wie Gebärdensprache. Für die Zuschauer ein überaus packendes und sehr berührendes Tanztheater- Vergnügen, das wie jede Schulstunde pünktlich nach 45 Minuten vorbei war – und im Anschluss mit reichlich Applaus bedacht wurde.
„Mit seinem Ansatz, hörbeeinträchtigten Jugendlichen eine neue Erlebnis- Welt zu eröffnen, passt das Tanz-Projekt wunderbar in die Hörregion Hannover“, so Erwin Jordan, Dezernent der Region Hannover. „Genau das wollen wir erreichen: ein Bewusstsein für die Bedeutung des Hörsinns zu wecken, die Teilhabe hörgeschädigter Menschen am gesellschaftlichen Leben zu steigern und Kooperationen zwischen den Partnern der Hörregion zu unterstützen, wie zwischen Cochlear und der Hartwig-Claußen-Schule.“
Zufriedenheit auch bei Cochlear Deutschland mit Sitz in Hannover. Der Weltmarktführer für Hörimplantate, der seit Jahren eine enge Partnerschaft zur Hartwig-Claußen-Schule unterhält, hatte das Tanz-Projekt als einen Beitrag zur Hörregion Hannover initiiert und tatkräftig begleitet.
„Was die Schülerinnen und Schüler bei der heutigen Aufführung gezeigt haben, wie sie über Monate mit großer Ernsthaftigkeit und viel Leidenschaft zusammengearbeitet haben – all das begeistert uns; und es zeigt uns einmal mehr, wie wichtig derartige Projekte sind“, so Frederec Lau, Marketingleiter von Cochlear Deutschland. „Sie verhelfen den hörgeschädigten Kindern und Jugendlichen zu neuen Erfahrungen, sie geben ihnen Raum für kreativen Ausdruck, für künstlerische Formen der Kommunikation, und sie verschieben mitunter sogar Grenzen des Vorstellbaren, eröffnen neue Horizonte. Doch damit noch nicht genug. Denn diese Aktivitäten bieten der breiten Öffentlichkeit auch Einblicke in die Lebenswirklichkeit Hörgeschädigter, und sie schärfen dadurch das Bewusstsein für das wichtige Thema Hören. Allen, die das Tanz-Projekt ermöglicht haben, der Hartwig- Claußen-Schule und Ole Driever, der Hörregion Hannover und dem Staatstheater sowie den vielen weiteren Helfern gilt unser ausdrücklicher Dank.“
Nicht zuletzt diente die Aufführung auch einem guten Zweck. Der Erlös aus dem Ticketverkauf kommt dem Förderverein der Hartwig-Claußen-Schule zugute.