Ehepaar Hochmair- MED-EL- Foto: MED-ELEduard-Rhein-Preis 2016 – Mehrkanal Innenohr-Implantat für die Wiedererlangung des Sprachverständnisses
Technologiepreis - Sprechen, Hören, Verstehen und Teilhabe an der Gesellschaft

Der Eduard-Rhein-Technologiepreis geht in diesem Jahr an das Forscher- und Unternehmerehepaar Dr. Ingeborg und Prof. Dr. Erwin Hochmair und an ihren Forscher-Kollegen Prof. Blake Wilson für die Entwicklung und Vermarktung eines mehrkanaligen Cochlea-Innenohr-Implantates, das Hörgeschädigten auch ohne Blickkontakt die Wahrnehmung akustischer Informationen ermöglicht.

 

Der Technologiepreis 2016
„Die Entwicklungen des Ehepaars Hochmair und Blake Wilson sind exemplarisch für den Grundgedanken des Eduard-Rhein-Preises – die Verbindung von Disziplinen wiez. B. Mikroelektronik, Hochfrequenztechnologie, Signalverarbeitung, Mechanik, Informationstechnologie und Physiologie führen zu einem Ergebnis, das den betroffenen Menschen ein hohes Maß an Lebensqualität gibt und die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ermöglicht“, begründet Prof. Hans-Joachim Grallert, Vorstand der Eduard-Rhein-Stiftung die Vergabe des Technologiepreises 2016.
„Weiterhin entscheidend war, dass die Entwicklungen mit aktuell weltweit 500.000 Implantaten ihre große Relevanz nachweisen kann.“
Das Ehepaar Hochmair begann in den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts als Pionier auf dem Gebiet des sogenannten „Cochlea“-Implantates. Durch Miniaturisierung von Mikrofon zur Aufnahme akustischer Informationen und elektronischem Prozessor verbunden mit elektrischen Verbindungen zu den Nervenzellen können geschädigte Sinneszellen in der sog. Ohr-„Schnecke“ – Cochlea – überwunden werden. Von anderen „Cochlea“-Implantaten heben sich die Entwicklungen des Ehepaars Hochmair dadurch ab, dass Signale über mehrere Kanäle übertragen werden, die eine zeitlich versetzte Stimulation der Sinneszellen ermöglicht, was beim Anwender zu einem besseren Wort- und flüssigerem Sprachverständnis selbst beim Telefonieren führt.
Entscheidend für die Realisierung des mehrkanaligen Cochlea-Implantates ist dabei das von Prof. Blake Wilson von der Duke University, Durham, North Carolina, USA, entwickelte Codierverfahren Continuous Interleaved Sampling, das einzelne Bandbereiche bestimmten Elektroden zuordnet und so die zeitlich versetzte Stimulation möglich macht.
Das Ehepaar Hochmair vermarktet das mehrkanalige Cochlea-Implantat über ihr Unternehmen MED-EL Medical Electronics GmbH, Innsbruck. Prof. Blake Wilson ist Direktor des ersten MED-EL Forschungslabors in Durham. Zusammen arbeiten sie an Weiterentwicklungen rund um die Cochlea-Implantate.

Das Ehepaar
Ingeborg und Erwin Hochmair haben sich im Jahr 1975 an der Technischen Universität Wien kennengelernt und gemeinsam mit der Entwicklung des weltweit ersten mikroelektronischen Multikanal-Implantats begonnen. Schon zwei Jahre später konnte ihr erstes Gerät einem Patienten eingesetzt werden, und 1980 war die Erfindung vollendet.

1990 haben die beiden das Unternehmen MED-EL gegründet, dessen CEO Ingeborg Hochmair bis heute ist; Erwin Hochmair ist seit 1985 Professor für Angewandte Physik und Mikroelektronik an der Universität Innsbruck. Die Hochmairs sind das erste Ehepaar, das gemeinsam für den Europäischen Erfinderpreis nominiert ist.

Fakt
Je nach Region der Welt werden bis zu drei von tausend Kindern mit einer Hörschädigung geboren. In den meisten Fällen ist der Hörnerv intakt, aber die Haarzellen, die die vom Schall produzierten Vibrationen in elektrische Signale umwandeln, fehlen oder sind geschädigt. Das Cochlea-Implantat der Hochmairs ermöglicht, dass Schalldaten unter Umgehung der geschädigten Cochlea direkt an das Gehirn übermittelt werden.

MED-EL
mit Sitz in Innsbruck (Österreich) ist der weltweit zweitgrößte Hersteller von Cochlea-Implantaten. Bis Dezember 2010 wurden 219 000 Menschen Cochlea-Implantate von MED-EL eingesetzt, was die wichtige Rolle des Unternehmens auf diesem Wachstumsmarkt deutlich macht.

Cochlea-Implantate sind das größte Segment auf dem Gesamtmarkt der Hörimplantate und erzeugten dort im Jahr 2010 über 80 % der Gesamterträge. Laut Prognosen wird der Gesamtmarkt für Cochlea-Implantate im Jahr 2017 bei 1,7 Milliarden Euro liegen - bei einer jährlichen Zuwachsrate von 14 %. Ursache dafür werden voraussichtlich das zunehmende Auftreten von Hörverlusten, die rasch wachsende Zahl potenzieller Patienten in Wachstumsmärkten wie China und Indien und technologische Fortschritte im Bereich der Cochlea-Implantate sein.

Eduard-Rhein-Stiftung
Die Eduard-Rhein-Stiftung wurde 1976 von Prof. Eduard Rhein gegründet mit dem Ziel bedeutende technologische Erfindungen aus dem Bereich der Informatik sowie deren erfolgreiche Vermarktung zu unterstützen und zu honorieren. Dazu wird jährlich der Technologiepreis an Wissenschaftler und Unternehmer sowie zwei Eduard-Rhein-Jugendpreise an Schüler aus dem Bundeswettbewerb JUGEND
FORSCHT vergeben. Eine Besonderheit ist der – unregelmäßig vergebene – „Kulturpreis“, der Literatur oder Medienbeiträge mit technisch-wissenschaftlichem Bezug auszeichnet.