500. Cochlea Implantat-SystemBei Patienten mit hochgradiger Schwerhörigkeit: Hörzentrum setzt 500. Cochlea Implantat-System ein

11.02.2016 – Das Hörzentrum (Leitung: Prof. Dr. Dr. h.c. Thomas Klenzner) der Klinik für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde des Universitätsklinikums Düsseldorf hat am Mittwoch, 10.02.2016, das 500. Cochlea Implantat-System seit der Gründung des Zentrums im Jahr 2007 eingesetzt. Die hochpräzisen Implantate werden operativ in die Hörschnecke (lat. Cochlea) des Innenohrs eingesetzt und ermöglichen es stark schwerhörigen Patienten, wieder eine adäquate Hörleistung zu erlangen.

Prof. Dr. Dr. h.c. Thomas Klenzner, Leiter des Hörzentrums, mit der Patientin Frau Flo.
(Foto: Bernhard Timmermann, UKD Unternehmenskommunikation)

Die Patientin ist seit Geburt hochgradig schwerhörig und besitzt bereits einseitig ein Implantat. Für ein besseres Hör- und Sprachverstehen erhält sie nun auf dem anderen Ohr ebenfalls ein Implantat. Wie bei ihr, liegt bei vielen stark schwerhörigen Patienten eine Störung der Haarzellen in der Hörschnecke des Innenohrs vor, weswegen weniger oder kaum Übertragungen von Audiosignalen an das Gehirn möglich sind. Cochlea Implantat-Systeme ersetzen die Funktion der Haarzellen, indem sie Audiosignale in elektrische Impulse für den Hörnerv und das Gehirn umwandeln. Das Hörzentrum der HNO-Klinik Düsseldorf ist auf das Einsetzen von Cochlea Implantat-Systemen spezialisiert. Sie bestehen aus einem außen am Körper angebrachten Teil – der Sprachprozessor, der die Töne der Umwelt aufnimmt – und einem internen Teil, dem eigentlichen Implantat, welches durch einen minimal-invasiven Eingriff in die Cochlea eingeführt wird.

Hören ist essentiell für das Erlernen von akustischer Sprache. „Je früher das Implantat-System eingesetzt wird, desto besser kann das Gehirn Sprache und Geräusche verarbeiten. Bei Säuglingen, die mit an Taubheit grenzender Schwerhörigkeit geboren werden, empfehlen wir zum Beispiel eine Operation innerhalb des ersten Lebensjahres. Ein Mensch, der bereits taub auf die Welt gekommen ist und erst mit 25 Jahren ein Implantat bekommt, wird wahrscheinlich nie den gleichen Sprachgebrauch erlangen wie ein frühimplantierter Patient, da sein Gehirn die Voraussetzungen nicht entwickeln konnte. Prinzipiell haben wir aber Patienten jeder Altersstufe, auch im hohen Seniorenalter.“, erläutert Prof. Klenzner.

Um die Patienten nach der Operation umfassend versorgen zu können, werden alle Reha-Maßnahmen ambulant direkt vor Ort im Hörzentrum durchgeführt. „In einem Guss können wir so Patienten vom ersten Gespräch, über die Operation bis zu den Reha-Maßnahmen begleiten. Sie müssen nicht in eine spezielle Reha-Klinik fahren. In unserem Team arbeiten verschiedene Therapeuten zusammen mit Technikern, die die Systeme programmieren, für einen langen Zeitraum nach der Operation mit den Patienten. Wir unterstützen auch bei der Inklusion im Alltag und besuchen sie zum Beispiel im Kindergarten oder in der Schule.“, erklärt Wiebke van Treeck, Diplom-Heilpädagogin am Hörzentrum.

Zum Hörzentrum: Das 2007 gegründete Hörzentrum untersteht der Klinik für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, die nicht zuletzt durch ihren Umzug in den Klinikneubau ‚Zentrum für Operative Medizin II‘ im Jahr 2014, zu den modernsten HNO-Kliniken Europas gehört. Besondere Schwerpunkte legt die Klinik auf modernste Technik sowie auf minimal-invasive und schonende Eingriffe. Neben dem hauseigenen Reha-Programm arbeitet das Zentrum eng mit der Geburtenstation zusammen und führt die obligatorischen Hörscreenings bei Neugeborenen durch. Zudem bietet es Informationsveranstaltungen für Fachleute und interessierte Laien an.

Susanne Blödgen