GestenBundesweit einzigartige Sonderausstellung „Gesten – gestern, heute, übermorgen“ ermöglicht vom 17. November 2017 bis 4. März 2018 im Sächsischen Industriemuseum Chemnitz einen besonderen Zugang zur „Sprache der Hände“

Unser Alltag ist ohne Gesten nicht vorstellbar. Sie begleiten unser Sprechen und sind ein wichtiger Teil unserer Kommunikation. In einer zunehmend technisierten Welt revolutionieren Gesten auch unseren Umgang mit Gegenständen, wie Autos, Fernsehern, Computern, Haushaltsgeräten oder Spielkonsolen.

Gesten als Ausstellungsthema für Jung und Alt.

Bild:Gestenforscherin Prof. Dr. Ellen Fricke, Professorin für Germanistische Sprachwissenschaft, Semiotik und Multimodale Kommunikation, erläutert, wie unterschiedliche Gesten-Klassen beschrieben werden.
Foto: TU Chemnitz/Pressefoto Schmidt

Wie Gesten entstehen und wie sie die Entwicklung des Arbeitsprozesses beeinflussen, ist Teil des Forschungsprojektes MANUACT unter Leitung von Prof. Dr. Ellen Fricke, Inhaberin der Professur Germanistische Sprachwissenschaft, Semiotik und Multimodale Kommunikation an der Technischen Universität Chemnitz. Die Ergebnisse dieser Arbeit bilden nun die Grundlage einer bundesweit einzigartigen Sonderausstellung, die vom 17. November 2017 bis 4. März 2018 im Sächsischen Industriemuseum Chemnitz zu sehen ist. Die Besucherinnen und Besucher erhalten auf 600 Quadratmetern Einblicke in die faszinierende „Sprache der Hände“.

Dabei treffen eindrucksvolle interaktive Installationen, die vom Linzer Ars Electronica Futurelab in enger Zusammenarbeit mit der TU Chemnitz speziell für diese Ausstellung entwickelt wurden, auf Artefakte des Industriemuseums und auf Werke namhafter Künstlerinnen und Künstler, die sich mit Gesten als menschlich hervorgebrachte Zeichen beschäftigen. So lädt der „Wooden Mirror“ des New Yorker Künstlers Daniel Rozin, der Holz zu einem Spiegel werden lässt, zur Interaktion ein: Hand- und Körperbewegungen des Betrachters werden von einer Kamera erfasst und computerunterstützt an kleine Motoren weitergegeben, die insgesamt 830 Holzplättchen bewegen und die verblüffende „Spiegelung“ erzeugen. Einen spielerischen Einstieg in das Ausstellungsthema verspricht auch das Exponat „Augmented Hand Series“ des Künstlers Golan Levin aus Pittsburgh, das traumhafte bis unheimliche Transformationen der Hände der Museumsgäste zu Stande bringt: Die Hand wird dreidimensional gescannt und sofort auf einem Display in völlig veränderter Form wiedergegeben – mal mit zusätzlichem Finger, mal mit veränderter Handinnenfläche, mal mit gegensätzlichem Daumen. Zwanzig unterschiedliche Transformationen sind möglich, welche die Besucherinnen und Besucher animieren sollen, sich intensiv mit dem Aussehen und der Funktionalität der Hand zu beschäftigen. All dies geschieht auch im Kontext der Evolution des Menschen, denn erst die Primaten konnten im Gegensatz zu Reptilien Dinge greifen und als Werkzeuge nutzen.

Gesten verändern unseren Alltag und die Arbeitswelt

Zusammenhänge zwischen den Handbewegungen bei traditionellen Arbeitsvorgängen, wie Spinnen, Töpfern oder Hämmern, und den Möglichkeiten gestengesteuerter Bedienung von Maschinen sind Bestandteil eines separaten Ausstellungsbereiches. Hier treffen ausgewählte Werkzeuge und Maschinen früherer Jahrhunderte auf Produktionstechnik der Zukunft. An Exponaten des Sächsischen Industriemuseums Chemnitz ist die historische Entwicklung von Arbeitsgesten nachvollziehbar. Wie lassen sich mit Gesten künftig Werkzeuge bedienen und Objekte steuern? Einige zentrale interaktive Exponate, die in enger Zusammenarbeit mit dem Ars Electronica Futurelab in Österreich entstanden sind, vermitteln einen Eindruck von kontaktloser Gestensteuerung. An einer Töpferscheibe können die Besucher selbst probieren und allein durch Gesten ihr eigenes virtuelles Tongefäß erschaffen. Die in die Ausstellung integrierte Videoinstallation „Captured Motion“ aus der Enzyklopädie der Handhabungen der Berliner Künstlerin Anette Rose lotet das ästhetische Potential des Motion Capturing als Aufzeichnungstechnik redebegleitender Gesten aus und zeigt in einem begehbaren Kubus, wie Wörter und Gesten bei Objektbeschreibungen zusammenwirken. Auch ein virtueller Globus und ein mit einer Leap Motion Kamera ausgestattetes Kugellabyrinth können mit Hilfe von Gesten bedient werden. Insgesamt laden in der Sonderausstellung 16 Exponate zur Interaktion ein.

Wie Gesten zum Unterrichtsthema werden und die Winterferien 2018 bereichern

Vielfältige Angebote für Schulklassen ergänzen die Ausstellung. Während der Laufzeit lädt das Industriemuseum Schüler aller Klassenstufen zu Führungen und Workshops ein. Dabei können die Teilnehmer unter anderem das bewegliche Modell einer Hand fertigen oder einen pneumatischen Greifarm aus Holz bauen. Die kulturelle Bedeutung der menschlichen Hand steht im Mittelpunkt eines Workshops für Schüler der Klassen 8 bis 12. An Schüler ab Klasse 7 richtet sich das Angebot einer Projektwoche. Unter Leitung des Teams des Sächsischen Ausbildungs- und Erprobungskanals (SAEK) produzieren die jungen Drehbuchautoren, Kameraleute und Schauspieler einen Stummfilm über das Verhältnis von Mensch und Maschine in der Arbeitswelt. Und in den Winterferien lädt das Industriemuseum junge Gäste ein, mit Fingerfarben zu drucken, Handpuppen herzustellen oder Handskulpturen zu formen. Schon im Vorfeld waren Schüler der 5. bis 10. Klassen eingeladen, sich künstlerisch mit Gesten auseinanderzusetzen und sich mit ihrer Lieblingsgeste am Fotowettbewerb „Talking hands“ zu beteiligen. Die Preisverleihung erfolgt im Rahmen der Ausstellungseröffnung.

Öffentliche Führungen stellen spezielle Gesten vor

Gesten und ihre Bedeutung sind auch das Thema mehrerer Sonderführungen durch die Ausstellung. So werden beispielsweise die Victory-Geste, die Ring-Geste oder die Daumen-nach-oben-Geste vorgestellt. Teilweise werden die Führungen gemeinsam mit einem Gebärdendolmetscher angeboten.

Weiterführende Informationen zu den Exponaten, zum Forschungshintergrund, zur Museumspädagogik und zu weiteren Aspekten der Ausstellung sind zu finden unter http://www.gesten-im-museum.de.

Technische Universität Chemnitz