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CIMHH und Deutsches HörZentrum Hannover (DHZ) bieten Voraktivierung des CIs an: Hören in drei Tagen

Als führendes Zentrum in der Cochlea-Implantat-Versorgung hat die HNO-Klinik der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) hohe Qualitätsstandards gesetzt, die manchmal auch von den Patienten ein wenig Geduld erfordern. So hat es sich als medizinisch richtig erwiesen, rund vier Wochen für die Heilung nach dem Eingriff einzuräumen, bis die Erstanpassung stattfindet und die Patienten dann wirklich hören können. Da liegt es in der Natur der Sache, dass viele Patienten, die schon so lange auf ihr Gehör verzichten mussten, viel schneller wissen möchten, ob die CI-Versorgung den gewünschten Erfolg bringt. Gleichzeitig wissen wir aus der Cochlea-Implantat-Versorgung, dass bei längerem Aussetzen des Benutzens des Cochlea-Implantats die Widerstände an den Elektroden steigen. Fachlich spekulieren wir, ohne es pathophysiologisch tatsächlich beweisen zu können, dass es zu Narbenbildungen um die Elektroden kommen kann.

Diese Überlegung und die Erfahrung anderer Kollegen haben uns dazu ermutigt, eine sogenannte Voraktvierung bei unseren Cochlea-Implantat-Patienten anzubieten. Dieses bedeutet, dass wir bereits in den ersten zwei bis drei Tagen nach der Cochlea-Implantat-Operation mit der Anpassung des Sprachprozessors beginnen. Ziel dabei ist es nicht, ein vollständiges und perfektes Sprachverstehen zu erreichen. Ziel ist es vielmehr, eine grundsätzliche elektrische künstliche Stimulierung am Hörnerv zu erreichen. Wenn es uns gelingt, hiermit auch sukzessive über den weiteren Verlauf ein geringes Sprachverstehen zu ermöglichen, ist dies ein weiterer Erfolg, der unseren Patienten zu Gute kommt. Durch diese Voraktivierung ist die Erstanpassung allerdings nicht überflüssig. Ganz im Gegenteil. Wir benötigen eine intensive Anpassungsphase rund vier bis fünf Wochen nach dieser Voraktivierung, denn das klar strukturierte Einführen in die Technik des Cochlea-Implantats sowie das strukturierte Wiedererkennen der sprachlichen Signale und somit das Einhören in die Cochlea-Implantat-Stimulation sind ein wesentlicher Teil der Cochlea-Implantat-Therapie.
Die Einführung der Voraktivierung kann in keiner Weise die Erstanpassung ersetzen. Die Voraktivierung ermöglicht es uns, nach unserer jetzigen Hypothese eine differenziertere elektrische künstliche Stimulation am Hörnerv zu erreichen, um mittelfristig ein gutes bis sehr gutes Spracherkennen zu ermöglichen. Bei dieser Maß-nahme ist es natürlich notwendig, dass die Patienten eine sehr zuverlässige Rückmeldung in der Zeit zwischen der Voraktivierung und der Erstanpassung, also ihrem Wiederkommen in die HNO-Klinik, geben. Wenn der Sprachprozessor in dieser Heilungsphase weiterhin dauerhaft getragen wird, müssen Wundheilungsstörun-gen besonders aufmerksam mit dem HNO-Arzt in der Heimat oder im Deutschen HörZentrum Hannover der HNO-Klinik besprochen werden.

 

Prof. Dr. Anke Lesinski-Schiedat
Ärztliche Leiterin Deutsches HörZentrum Hannover (Direktor: Prof. Prof. h. c. Dr. Thomas Lenarz)

Anmerkung der Redaktion:
Über diese neuen Wege der Frühanpassung des Sprachprozessors berichtete bereits Herr Ahmed Bellagnech von den Bosenberg-Kliniken in unserem Interview (CIV News 2/14). Mittlerweile bieten sechs Kliniken die Frühanpassung an: Die daran beteiligten CI-Kliniken sind: Universitätsklinikum Saarland in Homburg mit CA Dr. Schick, Universitätsmedizin Mannheim mit CA Dr. Hörmann, Mönchengladbach, Hamburg mit Dr. Jens E. Mayer, Medizinische Hochschule mit CA Dr. Lehnhardt und Berlin.

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