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Cochlea Implantat Verband NRW e.V. - taub und trotzdem hören

Mit einer EEG-Haube misst Professor Dr. Waldo Nogueira Vazquez die akustischen und elektrischen Sign ... Karin Kaiser/MHHExperte für Hörprothetik erhält renommierten ERC-Förderpreis der Europäischen Union

Etwa 15 Millionen Menschen in Deutschland leiden an Hörstörungen. Bei Älteren ist Schwerhörigkeit die am häufigsten eingeschränkte Sinneswahrnehmung. Doch bereits Kinder und sogar Neugeborene können unter Hörverlusten leiden, etwa einer Innenohrtaubheit. Dann werden akustische Signale nicht an den Hörnerv weitergeleitet. In diesem Fall können Innenohrprothesen – sogenannte Cochlea-Implantate (CI) – helfen. Sie stimulieren den Hörnerv mit Hilfe von Elektroden. Sowohl bei älteren als auch bei ganz jungen Patientinnen und Patienten kann aber noch ein Resthörvermögen vorliegen, vor allem im Bereich der tiefen Töne.
Bild: Mit einer EEG-Haube misst Professor Dr. Waldo Nogueira Vazquez die akustischen und elektrischen Signale bei der Hörverarbeitung im Gehirn. Foto: Karin Kaiser/MHH

 

Wie das Restgehör genauer beurteilt und erhalten werden kann, wie die elektrische Stimulation durch das CI mit der akustischen Signalleitung zusammenwirkt und wie aus diesen Erkenntnissen eine neuartige Hörprothese entwickelt werden kann, will Professor Dr. Waldo Nogueira Vazquez, Leiter der Forschungsgruppe Hörprothetik an der Klinik für Hals-, Nasen-, Ohrenheilkunde der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) aufklären. Für sein Projekt „REDIHEAR“ erhält der Wissenschaftler jetzt den „ERC Consolidator Grant“ des Europäischen Forschungsrates (European Research Council, ERC), eine der höchsten für Exzellenz vorgesehene Wissenschaftsförderungen der Europäischen Union. Er wird über fünf Jahre mit insgesamt rund zwei Millionen Euro unterstützt.

Restgehör feststellen und erhalten

Ist ein Restgehör vorhanden, lassen sich Hörgeräte und CI gleichzeitig im selben Ohr anwenden. Bei diesem Konzept der kombinierten elektrisch-akustischen Stimulation (EAS) verstärkt das Hörgerät die tiefen Frequenzen akustisch, während das CI die mittleren und hohen Frequenzbereiche elektrisch stimuliert. Das Innenohr verarbeitet die akustischen und elektrischen Reize gleichzeitig. Der Nachteil: Beim Einsetzen des CI können die sehr empfindlichen Strukturen der Cochlea und damit auch das Restgehör geschädigt werden. Der Wissenschaftler will nun objektive Diagnoseinstrumente entwickeln, die feststellen, wieviel Hörpotenzial insbesondere bei Neugeborenen überhaupt vorhanden ist und die gleichzeitig das Tieffrequenzhören während des Einsetzens überwachen.

Wechselwirkung zwischen Hörgerät und Cochlea-Implantat

Um Restgehör und CI dann optimal aufeinander abzustimmen, will Professor Nogueira Vazquez die grundlegenden Wechselwirkungsmechanismen zwischen elektrischer und akustischer Stimulation über die komplette Hörbahn von der Cochlea bis zum auditorischen Kortex im Gehirn untersuchen. „Darüber hinaus wird READIHEAR eine neuartige Hörprothese erproben, die sich die Wechselwirkungsmechanismen zwischen akustischer und elektrischer Stimulation durch minimalinvasive Elektroden zunutze macht“, erklärt er. Die sollen dann nicht mehr wie bisher tief im Inneren der Cochlea liegen, sondern am Eingang oder sogar vollkommen außerhalb.

„Hörverlust beeinträchtigt den Informationsaustausch erheblich und kann bei den Betroffenen Frust, Einsamkeit und Isolation verursachen“, sagt Professor Nogueira Vazquez. Die neuen Entwicklungen werden einer großen Zahl von Menschen mit Hörverlust über die gesamte Lebensspanne hinweg zugutekommen, ist er überzeugt. „Das betrifft Kleinkinder, die von einer verbesserten Hördiagnostik profitieren werden, bis hin zu älteren Menschen, denen die neue schonendere EAS-Technologie zur Behandlung ihres altersbedingten Hörverlustes hilft.“

Stichwort Cochlea Implantat: Bei Innenohrtaubheit oder hochgradiger Schwerhörigkeit kann ein Cochlea-Implantat (CI) helfen. Voraussetzung ist, dass der Hörnerv selbst noch intakt ist. Das CI fängt die Schallwellen von außen über ein Mikrofon ein. wandelt sie in elektrische Signale um und überträgt sie an die Elektroden in der Hörschnecke (Cochlea). Diese stimulieren verschiedene Abschnitte des Hörnervs, der die Reize dann zum Gehirn weiterleitet, wo der eigentliche Höreindruck entsteht.

Quelle: Medizinische Hochschule Hannover

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